RFP: Lohnt sich das für dein KMU?
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RFP (Request for Proposal): Wann lohnt es sich für mittelständische Unternehmen?
Du planst ein größeres Projekt und suchst den passenden Dienstleister? Vielleicht eine neue IT-Lösung, eine Produktionsanlage oder einen Beratungspartner? Dann bist du höchstwahrscheinlich schon über die Abkürzung RFP gestolpert, kurz für Request for Proposal. Dieses strukturierte Ausschreibungsverfahren hilft dir dabei, Angebote einzuholen und objektiv zu vergleichen, damit du den besten Anbieter für komplexe Projekte findest. Doch lohnt sich ein RFP-Prozess für mittelständische Unternehmen? In diesem Guide erfährst du, was ein RFP ist, wann du es einsetzen solltest und wie du ihn effizient erstellst und dabei typische Fehler vermeidest.
Was ist ein RFP? Definition und Grundlagen
Die Abkürzung RFP steht für Request for Proposal, also auf Deutsch: Aufforderung zur Angebotsabgabe. Ein RFP ist ein formales Dokument, mit dem du potenzielle Anbieter aufforderst, dir detaillierte Lösungsvorschläge für ein konkretes Projekt einzureichen. Im Gegensatz zu einer einfachen Preisanfrage beschreibst du in einem RFP deine spezifischen Anforderungen, Ziele und Bewertungskriterien ausführlich. Dadurch können potenzielle Dienstleister, Lieferanten oder Auftragnehmer nicht nur Zahlen und Preisangaben liefern, sondern umfassende Konzepte und maßgeschneiderte Lösungsvorschläge präsentieren.
Ein RFP ist ein strukturierter Beschaffungsprozess und enthält typischerweise:
• Projektbeschreibung: Was willst du erreichen?
• Anforderungen: Welche technischen und funktionalen Kriterien muss die Lösung erfüllen?
• Zeitrahmen: Wann soll das Projekt starten und abgeschlossen sein?
• Bewertungskriterien: Nach welchen Maßstäben wählst du den Dienstleister aus?
• Budget-Rahmen: Welche Investition planst du?
Der RFP-Prozess ist besonders dann sinnvoll, wenn es mehrere mögliche Lösungswege gibt und du die kreativsten Ansätze miteinander vergleichen möchtest: Du gibst den Rahmen vor – die Anbieter zeigen dir, wie sie deine Herausforderung lösen würden.
RFP auf Deutsch: mehr als nur eine Ausschreibung
Während im englischen Sprachraum „Request for Proposal“ der Standardbegriff ist, verwenden wir im deutschsprachigen Raum oft Begriffe wie „Ausschreibung“, „Angebotsanfrage“ oder „Leistungsausschreibung“. Der Begriff RFP hat sich aber inzwischen auch in Deutschland etabliert, besonders in international agierenden Unternehmen und bei komplexen Projekten.
RFP: in Abgrenzung zu RFQ und RFI
In der Beschaffung begegnen dir neben RFP noch andere Anfrageformate, beispielsweise RFQ und RFI. Um das Richtige zu wählen, musst du die Unterschiede kennen:
| Kriterium | RFI – Request for Information (Informations-anfrage) | RFP – Request for Proposal (Lösungsaus-schreibung) | RFQ – Request for Quotation (Preisanfrage) |
| Zweck | Informationen über Anbieter und deren Leistungen sammeln | Detaillierte Lösungsvorschläge für konkrete Herausforder-ungen einholen | Konkrete Preisangebote einholen |
| Zeitpunkt | Frühe Projektphase und Marktsondier-ung | Frühe Projektphase und Marktsondier-ung | Wenn Anforderungen feststehen |
| Komplexität | Niedrig: allgemeine Fragen | Hoch: detaillierte An-forderungen mit mehreren Lösungswegen | Mittel: stand-ardisierte Spezifikationen |
| Anwendungs-fall | Welche Anbieter gibt es? | Wie würdet ihr unser Problem lösen? | Was kostet Produkt X genau? |
| Verbindlichkeit | Unverbindlich | Teilweise verbindlich | Verbindliches Angebot |
Branchen und Anwendungsfälle für RFPs im Mittelstand
• Werbeagenturen und Marketing: Wenn du eine Kampagne, einen Markenrelaunch oder eine digitale Strategie umsetzen willst, zeigt eine Ausschreibung die Kreativität und Kompetenz verschiedener Agenturen.
• Anlagenbau: Bei Produktionsanlagen, Maschinen oder Fertigungslinien sind Investitionen hoch und Fehler teuer. RFPs minimieren das Risiko.
• Outsourcing-Vorhaben: Du willst deine IT, Buchhaltung oder Logistik auslagern? RFPs helfen, Partner zu finden, die nicht nur günstig sind, sondern ihre Dienstleistungen auch auf deine Anforderungen zuschneiden und an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind.
• Beratungsbedarf: Überall dort, wo Expertise und kreative Lösungen gefragt sind, kommen RFPs zum Einsatz, beispielsweise in der Strategieberatung, der Organisationsentwicklung und im Change-Management.
Im Überblick: Vor- und Nachteile von RFPs für KMU
| Vorteile | Nachteile |
| Objektive Vergleichbarkeit: Alle Anbieter beantworten dieselben Fragen, was für gute Vergleichbarkeit sorgt. | Zeitaufwendig: Von der Erstellung bis zur Auswertung vergehen oft mehrere Wochen oder Monate. |
| Innovative Lösungen: Du erhältst kreative Ansätze, an die du vielleicht selbst nicht gedacht hast. | Ressourcenintensiv: Du brauchst internes Know-how, um ein gutes RFP zu erstellen und auszuwerten. |
| Transparenter Prozess: Klare Kriterien und strukturiertes Vorgehen minimieren subjektive Entscheidungen. | Hoher Aufwand für Anbieter: Qualifizierte Partner verzichten möglicherweise auf eine Teilnahme am RFP, wenn der Prozess zu aufwendig ist. |
| Rechtssicherheit: Besonders bei öffentlichen Ausschreibungen dokumentiert ein RFP die Fairness. | Nicht für jeden Bedarf geeignet: Bei Standardprodukten oder einfachen Dienstleistungen ist ein RFP überdimensioniert. |
| Bessere Verhandlungsposition: Du kennst die Marktpreise und Leistungen verschiedener Anbieter. | Kosten: Externe Berater oder RFP-Software können zusätzliche Kosten verursachen. |
| Langfristige Partnerschaften: RFPs helfen dir, Partner zu finden, die kulturell und strategisch passen. | Gefahr der Überbewertung des Preises: Trotz klarer Kriterien kann der Preis als Faktor übermäßig stark gewichtet werden. |
Wie nutzen mittelständische Unternehmen in Deutschland RFP-Prozesse?
• Die Vergabestatistik für 2023 (aktuell letztverfügbare Gesamtjahresstatistik) zeigt: Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungsträger haben insgesamt 195.493 Aufträge und Konzessionen mit einem Gesamtvolumen von über 123 Milliarden Euro vergeben. Die kommunale Ebene hatte mit über 100.000 Vergaben den größten Anteil bei der Anzahl.
• Frühere Detailauswertungen aus dem Jahr 2021 zeigen, dass KMU rund 65 Prozent aller öffentlichen Aufträge erhielten, auf kommunaler Ebene sogar 72 Prozent.
Wann lohnt sich ein RFP für dein KMU?
• Es gibt viele mögliche Lösungswege.
• Es gibt mehrere gleichwertige Anbieter am Markt.
• Die Projektlaufzeit ist länger als 12 Monate und du bist an einer langfristigen Partnerschaft interessiert.
• Innovation und Qualität sind wichtiger als der Preis.
• Du triffst eine strategische Entscheidung mit langfristigen Auswirkungen und die Fehlentscheidung hätte gravierende Folgen.
RFP ist in folgenden Fällen weniger sinnvoll:
• Du hast bereits einen bevorzugten Anbieter.
• Du brauchst Standardprodukte ohne Anpassungsbedarf.
• Du hast nicht genug Zeit für ein zeitintensives Ausschreibungsverfahren.
• Das interne Know-how zur Auswertung fehlt.
So erstellst du ein erfolgreiches RFP: Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Interne Anforderungen klären
Bevor du ein RFP veröffentlichst, musst du eine Unternehmensanalyse durchführen und intern Klarheit schaffen:
• Budget festlegen: Welcher Investitionsrahmen ist realistisch?
• Zeitplan erstellen: Bis wann muss das Projekt abgeschlossen sein? Welche Meilensteine sind kritisch?
• Entscheidungskriterien bestimmen: Nach welchen Kriterien wirst du die Angebote bewerten?
• Interne Ressourcen prüfen: Wer kann bei der Auswertung unterstützen? Wer begleitet die Implementierung?
• Rechtliche Rahmenbedingungen klären: Gibt es Compliance-Anforderungen?
Müssen bestimmte Standards eingehalten werden?
2. Dokument strukturieren und erstellen
• Projektübersicht: Beschreibe das Projekt, die Ausgangslage, Herausforderungen und Ziele.
• Detaillierte Anforderungen: Liste alle funktionalen und technischen Anforderungen auf: je präziser, desto besser. Vermeide aber zu technische Spezifikationen, die Lösungswege unnötig einschränken. Definiere auch, was zum Projekt gehört und was explizit ausgeschlossen ist.
• Erwartetes Vorgehen: Beschreibe, wie du dir die Projektumsetzung vorstellst. Lass aber Raum für alternative Vorschläge der Anbieter.
• Bewertungskriterien: Erkläre transparent, nach welchen Kriterien du die Angebote bewertest (je nach Projekt z. B. Preis: 30 %, Erfahrung: 25 %, Innovation: 20 %, Referenzen: 15 %, Zeitplan: 10 %)
• Vertragsbedingungen: Nenne Rahmenbedingungen wie Vertragslaufzeit, Kündigungsfristen und Haftungsregelungen. Du kannst einen Preisrahmen nennen oder vorgeben, in welcher Form du Preisangaben erwartest (z. B. Festpreis, Stundensatz oder Staffelung).
• Zeitplan: Definiere klare Fristen für Einreichung, Rückfragen, Entscheidung und Projekteckpunkte.
3. Request for Proposal veröffentlichen und verbreiten
Versende dein RFP nicht an beliebig viele Anbieter. Eine Vorauswahl von 3–5 qualifizierten Kandidaten führt zu besseren Ergebnissen. Biete ein Briefing-Gespräch an, in dem Anbieter Rückfragen stellen können. Dokumentiere die Antworten und teile sie mit allen Teilnehmenden, um Chancengleichheit zu gewährleisten.
• Branchenverbände: Viele Verbände haben Mitgliederverzeichnisse.
• LinkedIn: Nutze dein berufliches Netzwerk für Empfehlungen.
• Vergabeplattformen: Bei öffentlichen Ausschreibungen ist dies Pflicht, sonst optional.
• SELLWERK Community: Nutze die Firmensuche, um mögliche Partner für dein Projekt zu identifizieren.
4. Angebote bewerten und auswählen
Der RFP-Prozess endet nicht mit dem Versand des Dokuments. Die professionelle Begleitung der Auswahlphase ist entscheidend für den Erfolg.
• Erstelle eine Bewertungsmatrix mit gewichteten Kriterien.
• Prüfe Referenzen gründlich.
• Führe Verhandlungen über Preis und Konditionen.
• Triff eine dokumentierte Entscheidung.
5. Feedback und Ergebniskommunikation
Informiere alle Teilnehmenden zeitnah über deine Entscheidung. Biete auch abgelehnten Anbietern konstruktives Feedback an. Das stärkt deine Reputation und hält Türen für eine zukünftige Zusammenarbeit offen. Dokumentiere den gesamten Prozess für interne Audits und mögliche Compliance-Nachweise.
Wann lohnt sich ein Tool zur Angebotserstellung?
Kosten und Fehler bei RFPs
Diese 5 häufigen Fehler bei RFPs solltest du vermeiden
Fehler 1: Zu technische oder zu vage Anforderungen
Fehler 2: Fehlende oder unklare Entscheidungskriterien
Fehler 3: Fehlende interne Abstimmung
Fehler 4: Unrealistische Zeitpläne
Fehler 5: Preis als einziges Kriterium
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