Screenreader: So machst Du Deine Website ready dafür

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Eine Person nutzt Smartphone und Laptop, um digital zu kommunizieren und verschiedene Online-Inhalte abzurufen.

Screenreader: Digitale Teilhabe und was sie für KMU-Websites bedeuten 


In Deutschland regelt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) die Vorgaben zur digitalen Teilhabe. Für viele KMU bedeutet das: Handlungsbedarf bei Website, Online-Shop und digitalen Services. Inhalte müssen auch für Menschen mit Seheinschränkungen nutzbar sein. Eine wichtige Rolle spielen dabei Screenreader. Doch was ist ein Screenreader eigentlich und welche technischen Voraussetzungen muss deine Website erfüllen? Dieser Guide erklärt es dir ganz praxisnah. 

Was ist ein Screenreader? 


Ein Screenreader ist ein technisches Hilfsmittel, das Menschen mit Seheinschränkungen die selbstständige Nutzung von Websites, Apps und digitalen Dokumenten ermöglicht. Entscheidend für Website-Betreibende: Nur technisch korrekt strukturierte Inhalte können von Screenreadern zuverlässig erfasst werden. 

Definition und Funktionsweise 


Bei einem Screenreader (auch Bildschirmvorleser genannt) handelt es sich um eine Software, die blinden und sehbehinderten Menschen eine alternative Benutzerschnittstelle bietet. Dabei werden nicht nur Texte erfasst, sondern auch Bedienelemente wie Buttons, Links, Menüs und Formularfelder. Die Ausgabe erfolgt entweder akustisch über Sprachsynthese oder haptisch über eine Braillezeile. Die Bedienung erfolgt hauptsächlich über die Tastatur oder (insbesondere bei mobilen Geräten) über Gesten. 

Abgrenzung zu anderen Bereichen der Barrierefreiheit  


Screenreader-Kompatibilität ist ein zentraler Baustein digitaler Barrierefreiheit, aber nicht der einzige. Barrierefreiheit bedeutet auch: ausreichende Kontraste für sehbehinderte Menschen, Untertitel für Gehörlose, Leichte Sprache für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und vollständige Tastaturbedienbarkeit für Menschen mit motorischen Einschränkungen. Screenreader konzentrieren sich dabei speziell auf blinde und stark sehbehinderte Nutzende. 

Wer ist auf Screenreader angewiesen? 


Um die Relevanz von Barrierefreiheit für deine Website einzuschätzen, lohnt sich ein Blick auf die Zahlen: Wie viele Menschen sind auf Screenreader angewiesen und in welchen Kontexten nutzen sie diese Technologie? Die potenzielle Zielgruppe ist größer als häufig angenommen – und wächst mit dem demografischen Wandel stetig weiter. 

Nutzergruppen in Deutschland und der EU 


In Deutschland leben schätzungsweise rund 70.000 blinde Menschen, etwa 45.000 hochgradig sehbehinderte sowie knapp 450.000 sehbehinderte Personen. Diese Zahlen erfassen jedoch nur Personen mit einem anerkannten Schwerbehindertenausweis. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da blinde und sehbehinderte Menschen in Deutschland nicht systematisch erfasst werden.  

In der gesamten EU sind es mehrere Millionen Menschen, die nur eingeschränkt sehen können. Nicht alle nutzen Screenreader, aber für einen erheblichen Teil dieser Gruppe sind sie unverzichtbar für die digitale Teilhabe. 

Darüber hinaus werden Screenreader auch von Menschen genutzt, die zwar große Texte lesen können, bei längeren Inhalten jedoch auf Unterstützung angewiesen sind, weil es sonst zu anstrengend wird. Auch Personen mit einer Leseschwäche können von der Nutzung eines Screenreaders profitieren. 
Nutzergruppe  Geschätzte Anzahl (Deutschland) 
Blinde Menschen  ca. 70.000 
Hochgradig sehbehinderte Menschen  a. 45.000 
Sehbehinderte Menschen  ca. 450.000 

Nutzungskontexte (beruflich, privat, unterwegs) 


Screenreader werden in verschiedensten Kontexten eingesetzt: im beruflichen Umfeld für E-Mails, Dokumentenbearbeitung und Recherche, privat für Online-Shopping, Social Media und Informationsbeschaffung sowie unterwegs auf mobilen Geräten. Für Unternehmen bedeutet das: Barrierefreiheit wirkt sich direkt auf Reichweite, Nutzungserlebnis und Conversion aus. 

Gesetzliche Regelungen zur Barrierefreiheit 


Bevor du mehr zu den technischen und inhaltlichen Aspekten erfährst, lernst du hier alles Wichtige über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz schafft klare Verpflichtungen für zahlreiche Unternehmen. 

BFSG und WCAG-Standards 


Seit dem 28. Juni 2025 verpflichtet das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) zahlreiche Unternehmen in Deutschland dazu, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Betroffen sind unter anderem Online-Shops, Banken, Telekommunikationsanbieter und Verkehrsdienstleister. Als technischer Referenzstandard gilt die EN 301 549 (derzeit Version V3.2.1), die auf die WCAG 2.1 Stufe AA verweist. Die überarbeitete Version der Norm wird künftig auf WCAG 2.2 verweisen. 

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind der internationale Standard für digitale Barrierefreiheit und definieren auf drei Konformitätsstufen (A, AA, AAA), welche Anforderungen Websites erfüllen müssen. Dabei gilt: Je höher die Stufe, desto umfassender die Barrierefreiheit. AAA ist die höchste und strengste Stufe, für die meisten Unternehmen ist jedoch die Stufe AA ausreichend. Die WCAG decken zentrale Aspekte der Barrierefreiheit ab, einschließlich der Screenreader-Kompatibilität. 
Konformitätsstufe  Beschreibung  Relevanz für KMU 
A Grundlegende Barrierefreiheit: minimale Anforderungen, die erfüllt sein müssen (z. B. Alt-Texte für Bilder, Tastaturbedienbarkeit)  Absolute Mindestanforderung, reicht allein aber nicht aus 
AA Erweiterte Barrierefreiheit: deckt die meisten Barrieren ab (z. B. ausreichende Kontraste 4,5:1, klare Fokus-Indikatoren, verständliche Fehlermeldungen)  Empfohlener Standard für KMU: vom BFSG gefordert, praxistauglich und rechtssicher 
AAA  Höchste Barrierefreiheit: sehr strenge Anforderungen (z. B. erweiterte Kontrastverhältnisse 7:1, verständliche Sprache auf niedrigerem Leseniveau, erweiterte Leseunterstützung)  Nur für spezialisierte Angebote sinnvoll (z. B. Behörden, Bildungseinrichtungen). Nicht für alle Inhalte umsetzbar 

Pflichten für KMU 


Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz unter 2 Millionen Euro sind vom BFSG ausgenommen. Alle anderen Unternehmen sollten prüfen, ob sie unter die Regelung fallen. Auch wenn du nicht direkt betroffen bist, kann barrierefreie Gestaltung deine Reichweite erhöhen und rechtliche Risiken minimieren. 

Wie funktioniert ein Screenreader? 


Um zu verstehen, warum deine Website bestimmte technische Standards erfüllen muss, lohnt sich ein Blick auf die Funktionsweise: Wie genau arbeitet ein Screenreader und welche Informationen benötigt er, um Webinhalte zugänglich zu machen? 

Grundprinzipien der Sprachausgabe und Braille-Zeilen 


Ein Screenreader liest den vom Browser erzeugten sogenannten Accessibility Tree aus, also die technisch aufbereitete Struktur deiner Website. Nur sauber strukturierte Inhalte werden dabei korrekt erfasst und ausgegeben. Diese Informationen werden dann entweder über eine synthetische Sprachausgabe vorgelesen oder an eine Braillezeile übertragen, die den Text in tastbare Blindenschrift umwandelt. 

Moderne Screenreader geben dabei nicht nur den reinen Text wieder, sondern auch wichtige Metadaten zu Elementen wie Überschriften, Links, Buttons und Formularfeldern: ihre Rolle (z. B. „Button“, „Link“, „Überschrift“), ihren Zustand (z. B. „ausgewählt“, „erweitert“) und ihren Namen. Diese Informationen sind entscheidend, damit Nutzende verstehen, welche Funktion ein Element hat und wie sie damit interagieren können. 
Eine Person nutzt ihr Smartphone, um unterwegs schnell und unkompliziert online zu kommunizieren.

Steuerungsmöglichkeiten (Tastatur, Gesten, Shortcuts) 


Die Steuerung eines Screenreaders erfolgt hauptsächlich über die Tastatur. Nutzende navigieren mit der Tab-Taste durch bedienbare Elemente wie Links und Buttons, mit den Pfeiltasten zeilen- bzw. zeichenweise durch Texte. Zusätzlich gibt es zahlreiche Tastenkombinationen, um gezielt zu bestimmten Elementen zu springen; etwa von Überschrift zu Überschrift oder von Formularfeld zu Formularfeld. 

Auf mobilen Geräten erfolgt die Steuerung über Gesten: Wischen nach rechts oder links bewegt den Fokus zum nächsten oder vorherigen Element, Doppeltippen aktiviert ein Element. Diese Gesten sind bei iOS VoiceOver und Android TalkBack weitgehend standardisiert. 

Praktisches Beispiel: Navigation auf einer Website 


Stell dir vor, eine blinde Person besucht deine Unternehmenswebsite. Der Screenreader liest zunächst den Seitentitel vor, dann die Hauptüberschrift. Mit der Tab-Taste navigieren Nutzende zum ersten Link in der Navigation und hört: „Über uns, Link“. Mit der Pfeiltaste nach unten bewegt er sich zum nächsten Element (einer Überschrift) und hört: „Unsere Dienstleistungen, Überschrift Ebene 2“. So erschließt sich die Struktur der Seite Schritt für Schritt. 

Wenn die Website jedoch keine semantischen Überschriften verwendet oder Bilder ohne Alternativtext einbindet, hören Nutzende nur „Grafik“ oder „Link“, ohne weitere Informationen. Zentrale Inhalte gehen somit verloren und die Seite wird faktisch unbenutzbar. 

Die wichtigsten Screenreader-Plattformen 


Personen mit Seheinschränkungen stehen je nach Betriebssystem verschiedene Screenreader-Lösungen zur Verfügung. Die Wahl des Systems hängt oft von beruflichen Anforderungen, Budget und persönlichen Präferenzen ab. Für Unternehmen entscheidend: Websites sollten standardkonform umgesetzt sein, nicht auf einzelne Tools optimiert. 

Screenreader unter Windows (JAWS, NVDA, Narrator) 


Unter Windows gibt es drei große Screenreader-Systeme: JAWS, NVDA und den Windows Narrator.  

JAWS (Job Access With Speech) ist der bekannteste kommerzielle Screenreader und wird vor allem im beruflichen Umfeld eingesetzt. Die Lizenzkosten liegen je nach Version im drei- bis vierstelligen Bereich. Wichtig zu wissen: Bei ärztlicher Verordnung übernehmen Krankenkassen in der Regel die Kosten für die Software.  

NVDA (NonVisual Desktop Access) ist ein kostenloser Open-Source-Screenreader, der sich großer Beliebtheit erfreut und kontinuierlich weiterentwickelt wird.  

Der Windows Narrator existiert seit Windows 2000, war jedoch lange sehr eingeschränkt. Seit Windows 10 hat er sich deutlich weiterentwickelt; spielt aber bei den meisten professionellen Nutzenden dennoch eine untergeordnete Rolle. 

Screenreader unter Mac (VoiceOver) 


Auf dem Mac ist VoiceOver der vorinstallierte Screenreader. Er ist tief in das Betriebssystem integriert und bietet eine konsistente Bedienung über alle Apple-Geräte hinweg. Viele blinde Personen schätzen diese Konsistenz, weshalb Apple-Geräte in dieser Nutzergruppe besonders beliebt sind. 

Mobile Screenreader (TalkBack, VoiceOver iOS) 


Auf mobilen Geräten dominieren zwei Systeme: VoiceOver auf iOS und iPadOS sowie TalkBack auf Android. Laut WebAIM Screen Reader User Survey 2024 verwenden 70,6 % der befragten Screenreader-Nutzenden iOS und VoiceOver ist mit ebenfalls 70,6 % der meistgenutzte mobile Screenreader, während 27,6 % Android nutzen und TalkBack von 34,7 % der Befragten verwendet wird. Für viele blinde Menschen sind Smartphone und Tablet heute damit nachweislich ein wichtiges Gerät für digitale Teilhabe. 
Screenreader Betriebssystem Kosten 
JAWS Windows Kostenpflichtig, aber als Hilfsmittel durch Krankenkassen erstattbar 
NVDA  Windows Kostenlos (Open Source)
Narrator  Windows 10/11  Vorinstalliert (kostenlos) 
VoiceOver  macOS, iOS, iPadOS Vorinstalliert (kostenlos) 
TalkBack Android  Vorinstalliert (kostenlos) 

Technische Voraussetzungen für Screenreader-Kompatibilität 


Damit deine Website von Screenreadern korrekt interpretiert werden kann, müssen bestimmte technische Standards eingehalten werden. Die folgenden Anforderungen bilden das Fundament für barrierefreie Webinhalte. 
Ein Entwicklerteam arbeitet gemeinsam an der Planung und Umsetzung moderner Softwarelösungen.

Semantische HTML-Auszeichnungen 


Deine Website muss semantisch nachvollziehbar aufgebaut sein. Das bedeutet: Überschriften müssen mit H1, H2, H3 etc. ausgezeichnet sein, Listen mit ul oder ol, Buttons mit dem button-Element. Nur so kann der Screenreader die Struktur der Seite erkennen und Nutzenden ermöglichen, gezielt von Überschrift zu Überschrift oder von Link zu Link zu springen. Das gilt auch für wiederkehrende Elemente wie den Website-Footer, der auf jeder Seite erscheint, wichtige Links beinhaltet und daher besonders sorgfältig strukturiert sein sollte. 

Bildbeschreibungen (Alt-Texte) 


Jedes informative Bild auf einer Website benötigt einen Alternativtext (Alt-Text), der beschreibt, was auf dem Bild zu sehen ist. Fehlt das Alt-Attribut komplett, greifen viele Screenreader ersatzweise auf den Dateinamen der Grafik zurück (z. B. „IMG_2024.jpg“). Der Inhalt bleibt so unzugänglich. Dekorative Bilder sollten mit einem leeren Alt-Attribut (alt="") versehen werden, damit der Screenreader sie überspringt. 

Labels und ARIA-Attribute 


Formularfelder müssen mit Labels versehen sein, die beschreiben, welche Eingabe erwartet wird. Zusätzlich können ARIA-Attribute (Accessible Rich Internet Applications) genutzt werden, um komplexe interaktive Elemente wie Dropdown-Menüs, Tabs oder Akkordeons für Screenreader zugänglich zu machen. ARIA-Attribute ergänzen die semantische HTML-Struktur und geben zusätzliche Informationen über Rolle, Zustand und Eigenschaften von Elementen. 
 
Diese technischen Anforderungen sollten idealerweise bereits bei der Konzeption deiner Website berücksichtigt werden. Gutes Webdesign bedeutet heute, Barrierefreiheit nicht nur als ein optionales Extra, sondern direkt als festen Bestandteil der Planung zu verstehen. Mockups helfen dir dabei, Barrierefreiheit schon in der Planungsphase zu visualisieren und zu testen. 

Website auf Screenreader-Tauglichkeit testen 


Bevor du aufwendige Tests mit professionellen Tools durchführst, kannst du mit einfachen Methoden bereits erste Schwachstellen identifizieren. Die folgenden Quick-Checks geben dir einen schnellen Überblick über den Barrierefreiheits-Status deiner Website. 

Quick-Checks für Einsteiger 


Auch ohne tiefgreifende technische Kenntnisse kannst du erste Tests durchführen, um zu prüfen, ob deine Website screenreader-fähig ist: 

  • Navigiere mit der Tab-Taste durch deine Website. Sind alle wichtigen Elemente (Links, Buttons, Formularfelder) erreichbar? 

  • Deaktiviere CSS in deinem Browser. Ist die Struktur der Seite noch erkennbar? Sind Überschriften als solche zu erkennen? 

  • Nutze ein Browser-Plugin wie WAVE oder axe DevTools, um automatisierte Tests durchzuführen. 

  • Teste deine Website mit einem echten Screenreader (z. B. NVDA unter Windows oder VoiceOver auf dem Mac). 

  • Prüfe, ob alle Bilder Alt-Texte haben und ob Formularfelder korrekt beschriftet sind. 

Testszenarien und Browser-Kombinationen 


Screenreader arbeiten mit bestimmten Browsern besonders gut zusammen. Für aussagekräftige Tests solltest du folgende Kombinationen berücksichtigen: NVDA mit Firefox oder Chrome, JAWS mit Chrome oder Edge, VoiceOver mit Safari. Teste dabei typische Nutzungsszenarien: Navigation durch die Hauptmenüs, Ausfüllen von Formularen, Lesen von Artikeln, Bedienung interaktiver Elemente wie Akkordeons oder Tabs. 

Das sind die am häufigsten genutzten Kombinationen aus Screenreadern und Browsern:
Screenreader  Browser Nutzungsanteil (laut WebAIM 2024) 
JAWS Chrome  24,7 % 
NVDA  Chrome  21,3 % 
JAWS Edge  11,4 %
NVDA  Firefox  10,0 %
VoiceOver  Safari  7,0 % 
NVDA  Edge  5,0 % 

Besondere Herausforderungen bei verschiedenen Website-Bereichen 


Nicht alle Bereiche einer Website stellen die gleichen Anforderungen an die Barrierefreiheit. Je nach technischer Umsetzung und Funktionsumfang ergeben sich spezifische Herausforderungen, die du kennen solltest. 

Login-Bereiche vs. öffentliche Bereiche 


Websites sind hinter einem Login-Bereich häufig technisch anders aufgesetzt als im öffentlichen Bereich. Achte darauf, dass auch geschützte Bereiche vollständig per Tastatur bedienbar sind und alle interaktiven Elemente korrekt ausgezeichnet sind. 

JavaScript-lastige Websites 


Single-Page-Applications (SPAs) und andere JavaScript-lastige Websites stellen besondere Herausforderungen dar. Dynamisch nachgeladene Inhalte müssen dem Screenreader mitgeteilt werden, etwa durch ARIA-Live-Regions. Auch Fokus-Management ist wichtig: Wenn ein neuer Inhalt geladen wird, sollte der Fokus sinnvoll gesetzt werden, damit Nutzende nicht die Orientierung verlieren. 
 
Tipp: Moderne Entwicklungsmethoden wie Vibe Coding (also das Programmieren mithilfe von KI) können dabei helfen, barrierefreie Webanwendungen effizienter zu erstellen. 

PDF-Dokumente 


PDF-Dokumente, die auf einer Website verlinkt sind, sollten ebenfalls barrierefrei sein. Das bedeutet: Sie benötigen eine logische Lesereihenfolge und eine Tagged-PDF-Struktur mit korrekt getaggten Überschriften, Alternativtexte für Bilder sowie eine saubere Tabellenstruktur mit Tabellenelementen. Viele PDFs werden jedoch einfach aus Word oder InDesign exportiert, ohne auf Barrierefreiheit zu achten und sind damit für Screenreader-Nutzende schwer oder gar nicht zugänglich. 

Mobile vs. Desktop-Navigation 


Die Hauptnavigation auf dem Desktop unterscheidet sich oft erheblich von der mobilen Navigation. Burger-Menüs und ausklappbare Submenüs (z. B. als „Disclosure“-Muster umgesetzt) sowie Touch-Gesten müssen auch für Nutzende von Screenreadern zugänglich sein. Teste deine mobile Website mit VoiceOver (iOS) oder TalkBack (Android), um sicherzustellen, dass alle Navigationselemente erreichbar und verständlich sind. 

Typische Fehlerquellen und Debugging 


Bei der Umsetzung von Barrierefreiheit treten häufig ähnliche Probleme auf. Eine systematische Fehleranalyse hilft dir, Prioritäten zu setzen und die gravierendsten Mängel zuerst zu beheben. 

Häufige Fehler nach Schweregrad 


Nicht alle Barrierefreiheitsfehler sind gleich schwerwiegend. Kritische Fehler machen eine Website komplett unzugänglich, während kleinere Mängel die Nutzung erschweren, aber nicht unmöglich machen. Zu den schwerwiegendsten Fehlern zählen: 

  • Fehlende Tastatur-Bedienbarkeit: Wenn wichtige Funktionen nur mit der Maus erreichbar sind, ist die Website für Screenreader nicht auslesbar. 

  • Fehlende oder unzureichende Alt-Texte: Wenn wichtige Bilder oder Grafiken keine beschreibenden Alternativtexte haben, bleiben zentrale Inhalte unzugänglich. 

  • Formulare ohne Labels: Wenn Eingabefelder nicht beschriftet sind, wissen Nutzende nicht, was sie eingeben sollen. 

  • Fehlende oder falsche Überschriftenstruktur: Wenn Überschriften nur visuell formatiert, aber nicht semantisch ausgezeichnet sind. 

  • Unzureichende Kontraste: Zwar primär ein Problem für sehbehinderte Menschen, aber auch für Personen mit Restsehvermögen relevant, die Screenreader nutzen. 

Debugging-Strategien 


Wenn du Probleme mit der Screenreader-Kompatibilität feststellst, gehe systematisch vor: Nutze die Entwicklertools deines Browsers, um die HTML-Struktur zu überprüfen, und stelle sicher, dass alle interaktiven Elemente korrekt ausgezeichnet sind. Teste anschließend mit einem echten Screenreader, um zu verstehen, wie Nutzende deine Website wahrnehmen. Dokumentiere alle gefundenen Fehler und priorisiere sie nach Schweregrad. 

Best-Practice für Marketing-Teams 


Auch ohne technische Vorkenntnisse können Marketing-Teams viel zur Barrierefreiheit beitragen. Hier sind die wichtigsten Regeln für die Erstellung barrierefreier Inhalte: 

Überschriften, Links und Alt-Texte 


  • Überschriften: Nutze eine logische Hierarchie (H1 für den Haupttitel, H2 für Hauptabschnitte, H3 für Unterabschnitte). Überspringe keine Ebenen. 

  • Linktexte: Vermeide generische Texte wie „Hier klicken“ oder „Mehr erfahren“. Beschreibe stattdessen, wohin der Link führt: „Zu unseren Dienstleistungen“. 

  • Alt-Texte: Beschreibe, was auf dem Bild zu sehen ist und welche Funktion es hat. Bei dekorativen Bildern lasse das Alt-Attribut leer. 

Formulare, Seitentitel und Sprachangaben 


  • Formulare: Jedes Eingabefeld muss ein (programmatisch verknüpftes) Label haben. Pflichtfelder sollten klar gekennzeichnet sein. Fehlermeldungen müssen verständlich und mit dem betroffenen Feld verknüpft sein. 

  • Seitentitel: Jede Seite sollte einen eindeutigen, aussagekräftigen Titel haben, der im Browser-Tab angezeigt wird. 

  • Sprachangaben: Gib die Hauptsprache der Seite im HTML-Tag an (z. B. lang="de"). Wenn du fremdsprachige Passagen einbindest, kennzeichne diese ebenfalls. 

Tabellen, Videos und Downloads 


  • Tabellen: Nutze echte Tabellen-Elemente (table, th, td) und keine Layout-Tabellen. Versieh Tabellen mit Überschriften. 

  • Videos: Biete Untertitel und, wo relevante visuelle Inhalte vermittelt werden, auch eine Audiodeskription an. Stelle ein Transkript bereit. 

  • Downloads: Beschreibe, was heruntergeladen wird (z. B. „Produktbroschüre als PDF, 2 MB“). 

  • Cookie-Banner und CAPTCHAs: Achte darauf, dass Cookie-Banner per Tastatur bedienbar sind. Nutze barrierefreie CAPTCHA-Alternativen. 

SELLWERK-Partner für Barrierefreiheit 


Du benötigst Unterstützung bei der Umsetzung von Barrierefreiheit auf deiner Website? Je nach Ausgangslage hast du verschiedene Optionen: Wenn du noch keine Website hast oder deine bestehende Seite von Grund auf barrierefrei neu aufsetzen möchtest, kannst du dir eine professionelle Website erstellen lassen; inklusive DSGVO-konformer Texte und technischer Barrierefreiheits-Standards.  

Falls du bereits eine Website hast, die grundlegend überarbeitet werden soll, hilft dir unser Leitfaden zum Website-Relaunch bei der strategischen Planung. Mit SELLWERK Prime erhältst du außerdem ein Komplettpaket für deine Online-Sichtbarkeit: vom Firmenprofil über das Bewertungsmanagement bis hin zur Pflege der Website. In der SELLWERK-Community findest du zudem wertvolle Tipps zu digitaler Barrierefreiheit und Screenreader-Checks. 

Ausblick: KI-Systeme als Screenreader-Alternative? 


Moderne KI-Systeme, die sich sprachlich steuern lassen und multimodal arbeiten (also Text, Bild und Sprache verarbeiten können), werden bereits von einzelnen Screenreader-Nutzenden zur Unterstützung eingesetzt. So können sich Nutzende beispielsweise Inhalte zusammenfassen lassen, wenn das Navigieren durch eine vollständige Seite zu aufwändig wäre.  
 
Systeme mit OCR-Fähigkeit (Optical Character Recognition) können zudem Texte in Bildern erkennen und vorlesen, browserfähige KI-Assistenten können Webseiten analysieren und zusammenfassen. Bislang handelt es sich dabei um vereinzelt berichtete Anwendungsfälle, keine breit etablierte Praxis. Die Technologien ersetzen die Funktionalität etablierter Screenreader somit zumindest zurzeit noch nicht, könnten aber perspektivisch eine Ergänzung darstellen. 

Warum sich Screenreader-Kompatibilität für KMU doppelt lohnt 


Screenreader sind unverzichtbare Werkzeuge für die digitale Teilhabe. Für KMU bedeutet die Kompatibilität nicht nur die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, sondern auch eine Chance, neue Zielgruppen zu erreichen und die Nutzererfahrung insgesamt zu verbessern. Unternehmen, die frühzeitig handeln, reduzieren Risiken und sichern sich gleichzeitig Wettbewerbsvorteile; insbesondere im digitalen Wettbewerb um Sichtbarkeit und Conversion.

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