Selbstorganisation im Team: Tipps für Führung ohne Hierarchie

  • 8 mal angesehen
Selbstorganisation im Team: Mitarbeiter und Führungskraft halten die Hände im Kreis zusammen.

Eine gute Zusammenarbeit im Team ist wichtig. Dabei gewinnen Selbstorganisation im Team und flache Strukturen immer mehr an Bedeutung. Die Teams übernehmen mehr Verantwortung für ihre Arbeit, treffen Entscheidungen gemeinsam und gestalten ihren Alltag eigenständig.

Aber wie funktioniert Führung ohne klassische Hierarchie? Und wie kannst du dein Team dabei unterstützen, selbstständig zu arbeiten, ohne alles vorzugeben? In diesem Artikel erfährst du, wie Führen ohne Hierarchie gelingt, welche Vorteile es bringt und wie ihr Schritt für Schritt selbstorganisierte Arbeit aufbauen könnt.


Was bedeutet Selbstorganisation im Team?

Selbstorganisation bedeutet, dass ein Team selbst entscheidet, wie es arbeitet, wer welche Verantwortung übernimmt, welche Aufgaben Priorität haben und wie Probleme gelöst werden – ohne dass eine klassische Führungskraft jeden Schritt vorgibt.

Das heißt nicht, dass es keine Struktur gibt. Rollen, Prozesse und Regeln werden gemeinsam festgelegt, klar definiert und regelmäßig überprüft. So übernimmt das Team mehr Verantwortung für die Ergebnisse.


Vorteile von selbstorganisierten Teams im Unternehmen

Viele Organisationen entscheiden sich bewusst für weniger Hierarchie und mehr Selbstorganisation. Die wichtigsten Gründe sind:

1. Schnellere Entscheidungen

  • Entscheidungen werden direkt dort getroffen, wo das Wissen liegt: Wer die Aufgabe am besten kennt, entscheidet über die Umsetzung, statt lange auf Anweisungen von oben zu warten.

  • Lange Abstimmungsschleifen entfallen: Genehmigungen über mehrere Hierarchieebenen werden nicht mehr nötig.

  • Teams können schneller auf Veränderungen reagieren, weil sie flexibel Prioritäten ändern und Lösungen ausprobieren können.

2. Mehr Motivation und Eigenverantwortung

  • Du hast mehr Einfluss auf deine Arbeit: Du entscheidest selbst, wie du Aufgaben angehst und welche Lösungen du wählst.

  • Verantwortung steigert Engagement und Identifikation: Wer selbst entscheidet, fühlt sich stärker mit dem Team und den Ergebnissen verbunden.

  • Die Motivation kann steigen, weil du den direkten Zusammenhang zwischen deinem Beitrag und dem Erfolg des Teams siehst.

3. Bessere Nutzung von Wissen und Kompetenzen

  • Ideen zählen mehr als Titel oder Position: Gute Vorschläge werden gehört, unabhängig davon, wer sie macht.

  • Unterschiedliche Perspektiven fließen in Entscheidungen ein, wodurch bessere Lösungen entstehen.

  • Fachliche Expertise wird optimal genutzt, da Aufgaben an die Mitarbeitenden gehen, die sie am besten bearbeiten können.

4. Höhere Anpassungsfähigkeit

  • Teams passen Prozesse eigenständig an neue Anforderungen oder Veränderungen im Projekt an, ohne auf externe Anweisungen warten zu müssen.

  • Lernen findet kontinuierlich statt: Fehler und Erfolge werden gemeinsam analysiert und dienen zur Verbesserung.

  • Veränderungen werden nicht als Störung, sondern als normaler Bestandteil der Arbeit wahrgenommen, wodurch Teams flexibler reagieren.

5. Stärkere Zusammenarbeit im Team

  • Verantwortung wird gemeinsam getragen, sodass jeder einen Beitrag zum Erfolg leistet.

  • Vertrauen und Transparenz nehmen zu, weil Entscheidungen offen getroffen und Ergebnisse sichtbar gemacht werden.

  • Zusammenarbeit wird gestärkt, weil das Team gemeinsame Ziele verfolgt und Erfolge als Teamleistung anerkennt.


So entwickelst du Selbstorganisation im Team

Selbstorganisation ist ein lernender Prozess, den ihr Schritt für Schritt aufbauen könnt. Ziel ist es, dass das Team eigenständig Entscheidungen trifft, Verantwortung übernimmt und dabei innerhalb klarer Strukturen arbeitet. Die folgenden Schritte zeigen, wie das gelingen kann:

1. Gemeinsame Ziele und Sinn klären

Zunächst sollten klare Ziele festgelegt werden. Denn ohne Orientierung können Unsicherheiten und Missverständnisse entstehen.

Darauf solltest du achten:

  • Wofür arbeitet das Team?
    Entwickle gemeinsam mit dem Team Visionen und konkrete Ziele. Jeder sollte verstehen, welchen Beitrag die Arbeit zum Unternehmenserfolg leistet.

  • Prioritäten setzen:
    Klärt gemeinsam, welche Aufgaben zuerst erledigt werden müssen und welche Ergebnisse für den Erfolg am wichtigsten sind.

  • Erwartungen klären: Besprecht, was ein gutes Ergebnis aus Sicht des Teams bedeutet. Klare Erwartungen helfen, Qualität und Verantwortung besser einzuschätzen.

  • Sinn sichtbar machen: Erklärt, warum bestimmte Aufgaben erledigt werden und wie sie euch dem gemeinsamen Ziel näherbringen. Wer den Sinn versteht, übernimmt leichter Verantwortung und bleibt motiviert.


Tipp:
Nutzt ein Teamboard, ein Dokument oder ein Ziel-Canvas, das alle jederzeit einsehen können.


2. Rollen und Verantwortlichkeiten definieren

Selbstorganisation funktioniert nur, wenn jeder weiß, wer wofür verantwortlich ist. Klare Rollen helfen, Aufgaben effizient zu verteilen und Überlastung zu vermeiden.

  • Aufgaben und Rollen klar aufteilen, zum Beispiel für:

  • Koordination von Projekten
  • Moderation von Meetings
  • Schnittstellenmanagement zu anderen Teams
  • Qualitätssicherung oder Dokumentation

  • Zuständigkeiten transparent machen: Halte fest, wer welche Rolle übernimmt. Das kann auf einem Whiteboard, in einem digitalen Tool oder in einem gemeinsamen Dokument erfolgen. So weiß jeder, an wen er sich wenden kann.
  • Verantwortung eindeutig benennen: Zu jeder Rolle sollte klar sein, wofür die Person verantwortlich ist und welche Entscheidungen sie treffen darf. Das verhindert Missverständnisse und Doppelarbeit.
  • Rollen flexibel halten: Rollen sind keine festen Positionen. Wenn sich Aufgaben, Projekte oder Prioritäten ändern, können Rollen angepasst, erweitert oder neu verteilt werden.


3. Entscheidungsprozesse festlegen

Damit Entscheidungen im Team schnell, nachvollziehbar und fair getroffen werden, braucht ihr klare Regeln.

Auf diese Punkte solltest du achten:

  • Wer entscheidet was? Klärt, welche Entscheidungen das Team selbstständig treffen darf und welche Rücksprache mit anderen Teams oder der Führungskraft erfordern.
  • Einbeziehung definieren: Legt fest, wann das gesamte Team beteiligt werden muss und wann einzelne Rollen eigenständig entscheiden können.
  • Methoden festlegen: Nutzt einfache Methoden, um Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen:

  • Konsent: Eine Entscheidung gilt als getroffen, wenn es keine schwerwiegenden Einwände gibt. Es geht nicht darum, dass alle begeistert zustimmen, sondern dass niemand einen begründeten Einwand hat, der dem Team schadet. So lassen sich Entscheidungen schnell treffen, ohne endlose Diskussionen.
  • Advice Process: Wer eine Entscheidung treffen möchte, holt sich vorher gezielt Rat von Betroffenen oder von Personen mit relevanter Erfahrung. Die Verantwortung für die Entscheidung liegt letztlich bei dieser Person, die die eingeholten Perspektiven berücksichtigt. Das verbindet Eigenverantwortung mit Transparenz.
  • Abstimmungen: Das Team entscheidet gemeinsam per Mehrheitsentscheid oder einfacher Zustimmung. Diese Methode eignet sich besonders für überschaubare Entscheidungen, bei denen alle gleichermaßen betroffen sind und keine langen Diskussionen nötig sind.


4. Regelmäßige Kommunikation etablieren

Offener Austausch und kontinuierliche Kommunikation sind wichtig, damit Selbstorganisation im Team funktionieren kann. Nur wenn Informationen geteilt, Probleme angesprochen und Feedback gegeben werden, kann das Team eigenverantwortlich arbeiten.

So könnt ihr daran arbeiten:

  • Tägliche oder wöchentliche Abstimmungen: Gebt kurze Updates zu euren Aufgaben, Fortschritten und offenen Punkten, damit alle im Team auf dem gleichen Stand sind.

  • Retrospektiven: Nutzt regelmäßige Reflexionen, um Arbeitsprozesse, Zusammenarbeit und mögliche Verbesserungen zu besprechen.

  • Feedbackrunden: Sprecht offen über Herausforderungen, Erfolge und Ideen zur Optimierung, damit das Team kontinuierlich lernen kann.


5. Vertrauen aufbauen und psychologische Sicherheit schaffen

Eigenverantwortung wird eher übernommen, wenn sich alle im Team sicher und wohlfühlen. Das bedeutet, dass Fehler offen angesprochen werden können und neue Ideen ausprobiert werden dürfen, ohne Angst vor Schuldzuweisungen oder negativen Konsequenzen.

So kannst du vorgehen:

  • Fehler als Lernchance betrachten: Fehler werden nicht als Misserfolg gewertet, sondern als Möglichkeit, gemeinsam daraus zu lernen und besser zu werden.

  • Offene und konstruktive Kritik fördern: Feedback wird respektvoll gegeben und angenommen, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zu verbessern.

  • Verantwortung bewusst übertragen: Aufgaben und Entscheidungen werden gezielt abgegeben und durch Unterstützung begleitet – statt durch Kontrolle eingeschränkt zu werden.


6. Kontinuierlich anpassen und lernen

Selbstorganisation ist ein laufender Entwicklungsprozess. Teams sollten regelmäßig innehalten, reflektieren und ihre Arbeitsweise an neue Anforderungen oder Herausforderungen anpassen.

Darauf solltest du achten:

  • Prozesse beobachten: Schaut gemeinsam, welche Abläufe gut funktionieren und wo es Schwierigkeiten gibt. So erkennt ihr, was verbessert werden kann.

  • Rollen, Regeln und Verantwortlichkeiten anpassen: Aufgaben, Zuständigkeiten und Prozesse sollten flexibel bleiben und bei Bedarf angepasst werden, damit das Team effizient arbeiten kann.

  • Kontinuierliches Lernen fördern: Nutzt Retrospektiven, Feedbackrunden oder Lessons Learned, um Erfahrungen auszuwerten und das Team weiterzuentwickeln.


Die Rolle von Führungskräften in selbstorganisierten Teams

Auch ohne klassische Hierarchie bleiben Führungskräfte wichtig. Ihre Aufgaben verändern sich jedoch: Sie geben nicht mehr direkte Anweisungen, sondern unterstützen das Team darin, selbstständig zu arbeiten. Dabei sind folgende Punkte wichtig:


  • Orientierung geben und Ziele vermitteln: Sie sorgen dafür, dass das Team weiß, welche Richtung es einschlagen soll und welche Ergebnisse erwartet werden.

  • Klare Rahmenbedingungen schaffen: Sie legen gemeinsam mit dem Team fest, welche Regeln, Prozesse und Ressourcen nötig sind, damit das Team effizient arbeiten kann.

  • Zusammenarbeit und Entwicklung fördern: Sie unterstützen das Team dabei, gut zusammenzuarbeiten, Konflikte zu lösen und kontinuierlich zu lernen.

  • Hindernisse beseitigen und Ressourcen sichern: Sie sorgen dafür, dass das Team nicht an äußeren Problemen hängen bleibt und alle nötigen Mittel zur Verfügung hat.

  • Teams bei Konflikten unterstützen: Sie helfen, Meinungsverschiedenheiten konstruktiv zu lösen, ohne selbst alle Entscheidungen zu treffen.


Typische Herausforderungen in der Praxis

Der Weg zur Selbstorganisation ist ein lernender Prozess. Dabei können auch kleine Schwierigkeiten auftauchen, die sich durch klare Absprachen vermeiden lassen können:

1. Unklare Verantwortlichkeiten

Wenn nicht klar ist, wer wofür zuständig ist, bleiben Aufgaben oft liegen oder Missverständnisse können entstehen.

So kannst du vorgehen:

  • Klare Rollen definieren: Legt gemeinsam fest, wer welche Aufgaben übernimmt, z. B. Koordinator, Moderator oder Qualitätssicherung.

  • Zuständigkeiten sichtbar machen: Nutzt ein Teamboard, digitales Tool oder ein Dokument, damit alle jederzeit wissen, wer wofür verantwortlich ist.

  • Regelmäßig überprüfen: Schaut regelmäßig, ob Rollen und Aufgaben noch passen oder angepasst werden müssen, besonders bei neuen Projekten oder veränderten Anforderungen.

2. Informelle Machtstrukturen

Wenn einzelne Personen dauerhaft Einfluss übernehmen und Entscheidungen inoffiziell getroffen werden, kann das die Zusammenarbeit im Team stören.

So kannst du vorgehen:

  • Transparenz schaffen: Dokumentiert Entscheidungen und Verantwortlichkeiten offen, damit für alle sichtbar ist, wer was entscheidet.

  • Verantwortung bewusst verteilen: Gebt Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse an mehrere Teammitglieder, sodass Macht nicht einseitig entsteht.

  • Regelmäßig reflektieren: Prüft regelmäßig, ob alle im Team die Möglichkeit haben, mitzuwirken und in Entscheidungen einbezogen werden.


3. Überforderung einzelner Teammitglieder

Wenn Verantwortung ungleich verteilt ist, kann es passieren, dass einzelne Teammitglieder überlastet werden.

So kannst du vorgehen:

  • Arbeitslast gemeinsam reflektieren: Sprecht in regelmäßigen Meetings darüber, wie viel jede Person zu erledigen hat und ob die Verteilung fair ist.

  • Offen über Unterstützung sprechen: Klärt, wer Hilfe braucht oder Aufgaben abgeben kann, bevor Überlastung entsteht.

  • Aufgaben aktiv anpassen: Verteilt Aufgaben bewusst neu, um Überlastung zu vermeiden und das Team effizient arbeiten zu lassen.


Fazit: Mit selbstorganisierten Teams Ziele erreichen

Führung ohne Hierarchie heißt nicht, dass es keine Führung mehr gibt. Sie verändert lediglich ihre Form. Selbstorganisierte Teams funktionieren am besten, wenn klare Ziele, transparente Regeln und Abläufe vorhanden sind und ein Umfeld entsteht, in dem Vertrauen, Offenheit und gute Kommunikation selbstverständlich sind.

Führen ohne Hierarchie ist kein fertiges Modell, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Teams und Führungskräfte gestalten ihn gemeinsam, lernen daraus und entwickeln ihre Zusammenarbeit stetig weiter.

SELLWERK
Community

Vernetze dich mit gleichgesinnten Unternehmern, tausche Erfahrungen aus und wachse gemeinsam

Registrierung

Neugierig auf diese Themen?

Registriere dich und hol dir wertvolle Tipps von Unternehmern und Experten!

Deine Daten sind bei uns sicher. Mehr Informationen über die Verarbeitung und Nutzung deiner personenbezogenen Daten erhältst du in unserer  Datenschutzerklärung. Durch Fortsetzen des Vorgangs akzeptierst du die geltenden Nutzungsbedingungen.

Registrierung